1. Vernetzungstreffen

von Anna Frasca-Rath

Am 8.11.2015 fand um 16 Uhr im SR 4 des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Wien das erste Vernetzungstreffen für Digitale Kunstgeschichte in Österreich statt.

Der Termin schloss direkt an die Jahrestagung des Verbands Österreichischer Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker ,Newest Art History. Wohin geht die Kunstgeschichte?‘ an, die vom 6.-8. November 2015 am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien veranstaltet wurde.

Initiiert wurde das Treffen von Anna Frasca-Rath vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien und Charly Mörth vom Austrian Centre for Digital Humanities (ÖAW). Georg Schelbert von der Humboldt Universität Berlin berichtete über die Tätigkeiten des Arbeitskreises für Digitale in Kunstgeschichte in Deutschland.

Programm

Zeit Programmpunkt
16:00 Anna Frasca-Rath: Einführung
16:15 Karlheinz Mörth: Das Austrian Centre for Digital Humanities
16:45 Georg Schelbert: Der Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte. Das Feld erforschen und bearbeiten
17:15 Diskussion
18:00 Aperitivo

Bericht von Andrea Mayr

Die Begrüßung erfolgte durch Anna Frasca-Rath, Organisatorin des Vernetzungstreffens, die auf die aktuelle Brisanz der Digitalen Kunstgeschichte und auf die bereits am Eröffnungsabend der Tagung stattfindende Podiumsdiskussion verwies, bei der unterschiedliche Standpunkte zum Nutzen und Stellenwert der digitalen Methoden für das Fach Kunstgeschichte im Fokus standen. Das gespaltene Verhältnis des Fachs zum Digitalen wurde bereits 2008 von James Cuno, Kunsthistoriker und CEO des J. Paul Getty Trust, ausführlich in seinem Artikel „How art history is failing at the Internet (...)“ thematisiert. Doch wurde schon bei der Begrüßung deutlich, dass dieser viel zitierte Ausspruch und die in ihm beschworene pauschale Abneigung der Kunsthistoriker_innen gegen das Digitale die Realität nicht recht treffen – ist die Kunstgeschichte nicht viel mehr falling for the Internet? Schließlich zeigten doch die hohe Anzahl von Teilnehmerinnen und die Diskussionsbereitschaft das große Interesse an dem Themenfeld.

Der anschließende Hauptteil des Treffens widmete sich den folgenden Fragen: In welcher Form wäre eine Vernetzung in Österreich zu Digitaler Kunstgeschichte sinnvoll? Wie kann man am besten für die Bereitstellung von Informationen bezüglich Projekten aus dem Bereich Digitaler Kunstgeschichte/Digitaler Geisteswissenschaften in Österreich sorgen, und wie einen Austausch der Projektbeteiligten fördern? Um die Rahmenbedingungen für eine mögliche Plattform abzustecken, waren zwei Vortragende zu dem Treffen geladen, die bereits langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Digital Humanities aufweisen können: zum einen Karlheinz Mörth, Leiter des Austrian Center for Digital Humanities (ACDH) und zum anderen Georg Schelbert, Gründungsmitglied vom Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte (AKDK).

Karlheinz Mörth präsentierte die Tätigkeiten des ACDH, das im Jänner 2015 an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gegründet wurde. Hier fungiert es als Schnittstelle zwischen Projekten mit digitalen Schwerpunkten aus den Geisteswissenschaften sowie den dafür notwendigen technischen Services und der Expertise aus dem Bereich der Informations- und Datenverarbeitung. Die Aufgaben des ACDH umfassen die Entwicklung, Wartung und Bereitstellung von technologischen Werkzeugen und Dienstleistungen für auf diesem Gebiet tätige Geisteswissenschaftler_innen. Zudem berichtete er von seiner Erfahrung als Koordinator der beiden EU-Projekte CLARIN und DARIAH, die zur systematischen Verwendung digitaler Ressourcen dienen und hob die Bedeutung sozialer Infrastrukturen hervor.

Im Anschluss sprach Georg Schelbert zur Entwicklungsgeschichte und den Intentionen des AKDK. Im Wesentlichen stellt dieser ein soziales Netzwerk dar, das aus der scientific community heraus entstand. Bereits auf 60 Mitglieder angewachsen, ist es dessen Hauptanliegen, die Vernetzung und den Austausch untereinander zu fördern, um praxisnahe Problemfelder, fachspezifische Fragestellungen und theoretische, methodische Diskurse aufzugreifen. Er dient dabei auch als Verbindung zwischen Museen und Universität. Darüber hinaus setzt sich der Arbeitskreis insbesondere für die fachspezifische Ausbildung von Nachwuchswissenschaftler_innen ein, etwa durch einen gemeinsamen Projektantrag für einen Lehrstuhl für ImageHumanities, die Mainzer Erklärung zur digitalen Kunstgeschichte in der Lehre oder die Mitveranstaltung der Summer School 2015 zu Computing Art in Heidelberg.

Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass die Fragestellungen zu dem weiten Feld der Digitalen Kunstgeschichte sehr vielfältig sind. Zentrale Punkte zu rechtlichen Aspekten, wie Urheberrecht und Bildrechte, zur Vielfalt an Methoden innerhalb der Digitalen Kunstgeschichte und zur Verbindung von Theorie und Praxis wurden seitens des Publikums angesprochen. Es zeigte sich, dass ein Netzwerk zur Kommunikation und zum Austausch dringend erforderlich wäre. Um über weitere Schritte informiert zu werden, steht daher ab sofort eine Mailing-Liste zur Verfügung, in der sich jede/r Interessierte eintragen kann.

Erschienen in der Zeitung des Verbands Österreichischer Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker, Kunstgeschichte Aktuell 4/15, Jg. XXXII.