19. Vernetzungstreffen & Workshop (Virtuell)

Vom Logoklasmus zum Ikonoklasmus?

Die neue Moralisierung um die Museen hat nun auch das kunsthistorische Annotieren erreicht. Seit vergangenem Herbst ist das international gebräuchlichste Klassifizierungssystem zur Umschreibung von Bildinhalten Iconclass unter Verdacht geraten Rassismus zu reproduzieren. Es scheint, als seien die Museen inzwischen gehalten bereits während der wissenschaftlichen Erfassung und Dokumentation einen konsensfähigen Standpunkt beziehen zu müssen. Auch von den übrigen Kulturinstitutionen erwartet die Gesellschaft zunehmend eine eindeutige moralische Haltung. Die Debatte um den „Opportunismus der Moral“ (Bredekamp) hat längst begonnen und zwingt uns einen mit überraschender Schärfe geführten Kulturkampf auf. Zeitgleich keimt im Digitalen ein neu gedachter Humanismus auf. So stellt sich die Frage, ob das parallele Entwicklungen, zwei Seiten derselben Medaille oder Antipoden sind.

PROGRAMM

Montag 26.04.2021, Vernetzungstreffen
19:15 Uhr Richard Kurdiovsky (Österreichische Akademie der Wissenschaften): Begrüßung & Moderation
19:20 Uhr Anna Frasca-Rath (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg): Kurze Einführung zum Digitalen Humanismus
19:30 Uhr Hanna Brinkmann (Donau-Universität Krems): Ambiguität und Deutungsmacht – Raum für Vielstimmigkeit im Digitalen? (Impulsvortrag)
19:45 Uhr Ralph Knickmeier (Österreichische Galerie Belvedere): Neues kunsthistorisches Annotieren: Digitaler Humanismus oder Humanistische Digitalisierung?
Dienstag 27.04.2021, Workshop
16:15 Uhr Stefanie Schneider (Ludwig-Maximilians-Universität München): Seeing is Believing. Über digitale Bilderlesemaschinen
16:45 Uhr Ralph Knickmeier (Österreichische Galerie Belvedere): Bildbewortung als Grenzerfahrung.

In dem etwa zweistündigen Workshop mögen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anhand komplexer Bildbeispiele aus den Wiener Museen im Vergabespagat zwischen Annotation und #Hashtag erproben.